Symbolbild

Uniform & Rollenspiel

Butler für ein Wochenende

„Mein Name ist Rüdiger“, sagte der Mann in der Tür, „und ich stehe Ihnen von Freitagabend bis Sonntagmittag zur Verfügung, gnädige Frau.“

Gesine, neunundvierzig, Architektin, stand im Flur ihres eigenen Hauses in Pantoffeln und brauchte einen Moment, um die Sprache wiederzufinden. Er trug einen Frack, der erkennbar aus dem Fundus eines Theaters stammte, weiße Handschuhe, und er hielt ein Silbertablett wie einen Schild vor der Brust. Auf dem Tablett lag ein Zettel.

„Das ist“, sagte sie, „ziemlich viel Aufwand für einen Geburtstag.“

„Es ist die Mindestausstattung, gnädige Frau.“ Er verbeugte sich. „Darf ich den Mantel nehmen?“

„Ich trage keinen.“

„Dann nehme ich ihn symbolisch.“ Er tat es, mit einer Geste so ernst, dass sie lachen musste. Dann wurde er sachlich. „Mit Ihrer Erlaubnis, die Vereinbarung.“

Auf dem Zettel standen in Schönschrift drei Punkte. Erstens: Der Butler gehorcht, aber er denkt mit. Zweitens: Beim Wort „Feierabend“ legt er sofort die Handschuhe ab, und dann ist er einfach Rüdiger. Drittens: Die gnädige Frau darf alles wünschen, wird aber nach Einbruch der Dunkelheit höflich gefragt, ob sie wirklich alles meint.

„Der dritte Punkt gefällt mir“, sagte Gesine.

„Dachte ich mir.“

Sie hatte seit Monaten keinen freien Samstag gehabt. Jetzt lag ein ganzes Wochenende vor ihr, und der Gedanke, es nicht selbst organisieren zu müssen, fühlte sich an wie warmes Wasser nach einem langen Tag. „Dann fangen wir an“, sagte sie. „Ich möchte einen Tee. Im Wohnzimmer. Und bitte sagen Sie nichts, solange ich nicht frage.“

„Sehr wohl.“

Der Tee kam in der guten Kanne, die sie nie benutzte, mit einem Stück Zitrone auf einem Untersetzer und einer Serviette, die zu einem Schwan gefaltet war. Rüdiger stellte alles ab, trat zwei Schritte zurück und blieb stehen, den Rücken kerzengerade, den Blick auf die Wand gerichtet. Sie nippte, sah ihn an, trank noch einmal. Seine Ohren wurden langsam rot.

„Sie dürfen sich setzen“, sagte sie.

„Der Butler sitzt nicht, gnädige Frau.“

„Dann steht er eben.“ Sie lächelte in die Tasse. Es machte etwas mit ihr, zu wissen, dass er dort stand, hundert Prozent aufmerksam, ihr gehörig bis zu einer Uhrzeit, die sie selbst bestimmte. „Rüdiger, haben Sie auch einen Nachnamen?“

„Nur für die Zeitung, gnädige Frau.“

Der Samstag verging in kleinen Dingen. Er legte ihr die Zeitung neben das Frühstück, geglättet und nach Ressorts sortiert. Er wusch ihre Lieblingstasse von Hand ab. Er polierte, ohne Aufforderung, den Griff ihrer Wohnungstür, bis sie dort ihr Gesicht sah. Am Nachmittag fragte sie ihn, ob er tanzen könne, und er sagte mit unbewegter Miene, ein Butler könne alles, und dann tanzten sie eine halbe Stunde zu einer Platte ihres Vaters, er immer einen Schritt weit entfernt, Hand am Rücken, höflich wie ein Gast beim Ball.

Gegen Abend, als das Licht golden wurde, fragte er: „Wünschen Sie das Abendessen im Salon, gnädige Frau, oder in der Küche?“

„Es ist dunkel“, sagte Gesine.

„Das ist es.“

„Dann muss ich wohl gefragt werden.“

Er stellte das Tablett ab, richtete sich auf und sagte, ganz ohne Spiel in der Stimme: „Möchten Sie wirklich alles, was Sie wünschen, Gesine? Oder soll ich Feierabend machen?“

Sie ließ sich Zeit. Sie lauschte, wie der Regen am Fenster tickte, und wie jemand in der Nachbarschaft Geschirr klappern ließ. „Ich möchte“, sagte sie, „dass Sie die Handschuhe anbehalten. Und dass Sie mich nach oben begleiten. Mit der Kerze.“

Rüdiger lächelte, jetzt ohne Maske. „Sehr wohl, gnädige Frau.“

Er nahm den silbernen Leuchter vom Kaminsims, zündete ihn an und ging vor ihr die Treppe hinauf, einen Schritt langsamer, als er könnte.

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CR
Clara Reuter

Schreibt über Kontrolle, Disziplin und Autorität mit Stil. Ihre Figuren führen ruhig, genau und mit einem Lächeln.

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