
Symbolbild
Spanking & DisziplinStrafzettel für Otto
Der Stapel lag auf dem Esstisch, mit einer Wäscheklammer zusammengehalten, und er war eine Handbreit hoch. Imke hatte ihn in der Jackentasche ihres Mannes gefunden, zwischen Taschentüchern und einem angebissenen Müsliriegel.
„Otto“, sagte sie. „Setz dich.“
„Ich stehe lieber.“
„Das habe ich nicht angeboten. Setz dich.“
Er setzte sich. Otto war fünfzig, Vertriebsleiter bei einem Fahrradhändler, ein Mann, der Kunden mit einem Lächeln Wochenendtouren verkaufte und auf Parkflächen eine fast poetische Missachtung für gelbe Linien pflegte. Imke war siebenundvierzig, Gerichtsvollzieherin, und die Ruhe, mit der sie Dinge zählte, war im ganzen Haus gefürchtet. Auch von ihm. Vor allem von ihm. Er liebte es.
„Siebzehn“, sagte sie und fächerte die Zettel auf. „Siebzehn Verwarnungen in neun Wochen. Ich habe nachgerechnet. Das sind zwei pro Woche, mit einem Wochenende Pause für gute Führung.“
„Das waren Bagatellen.“
„Zusammen vierhundertzwölf Euro.“
„Das bezahle ich.“
„Das hast du bereits getan. Aus der Haushaltskasse.“ Sie ließ das Blatt sinken. „Wir hatten eine Abmachung, Otto. Wer gegen unsere Verkehrsregeln verstößt, bekommt Konsequenzen. Bevor du fragst: Ja, die Abmachung gilt auch für Parkplätze.“
Er räusperte sich, und sie sah, wie seine Ohren rot wurden. „Ich dachte, die Abmachung gilt nur für Termine.“
„Paragraf vier. Alles, was dem Haushalt Geld oder Nerven kostet. Du hast ihn selbst vorgeschlagen.“
„Ich war betrunken.“
„Du warst verliebt. Das ist schlimmer.“
Das Urteil wurde nicht lange beraten. Imke zog den Küchenstuhl in die Mitte des Raums, setzte sich und sah ihn an, über den Brillenrand, mit dem Blick, den sie sonst für Schuldner reservierte.
„Siebzehn Zettel. Siebzehn Schläge mit der flachen Hand. Aber wir machen daraus zwei Runden, mit Pause. Du zählst laut. Wenn du dich verzählst, fängt die Runde neu an.“
„Das ist gemein.“
„Das ist Mathematik.“
Er legte sich über ihre Knie, ein erwachsener Mann in Cordhose, der sich seufzend den Umständen ergab. Sie hielt ihn fest, ruhig und sicher. Die erste Hand fiel, nicht hart, aber deutlich. „Eins“, sagte er. Die zweite. „Zwei.“ Bei fünf prustete er los, bei sechs verzählte er sich absichtlich, und sie sagte trocken: „Von vorn“, ohne eine Miene zu verziehen.
Es dauerte länger als geplant. Zwischen den Runden hielt sie inne, strich ihm über den Rücken und fragte nach der Farbe. „Grün“, sagte er jedes Mal, mit zunehmend kindischem Grinsen, und Imke musste, um die Strenge zu halten, den Mund in den Mundwinkel ziehen. Bei der letzten Zahl sagte er „Siebzehn“ mit der Würde eines Mannes, der soeben die Nordwand bezwungen hatte.
„Fertig“, sagte Imke und ließ ihn los.
Er setzte sich auf den Boden, lehnte den Kopf an ihr Knie und atmete aus. Sie holte die Decke vom Sofa, legte sie ihm um die Schultern, kraulte ihm den Nacken. Eine Weile sprachen sie nicht. Aus der Küche tickte die Uhr.
„Und jetzt?“, fragte er.
„Jetzt trinken wir Tee. Und ich habe Marmorkuchen gekauft.“
„Für alle Siebzehn?“
„Für einen. Den Rest teilen wir.“ Sie reichte ihm die Hand und zog ihn hoch. „Und Otto?“
„Ja?“
„Der nächste Strafzettel kostet dich keinen Euro mehr. Aber ein Wochenende ohne Fahrrad.“
„Das ist grausam.“
„Das ist Liebe“, sagte Imke und warf den Stapel in die Altpapierkiste, wo er endlich Ruhe fand.


