Hotwife & offene Paare

Die Liste an der Kühlschranktür

Der Zettel hing seit drei Wochen am Kühlschrank, zwischen dem Zahnarzttermin und einem Magneten in Form einer Birne. Olaf hatte ihn mit Bleistift geschrieben, weil Bleistift Änderungen erlaubte, und Sabine hatte darauf bestanden, dass sie ihn trotzdem laminierten.

1. Wir sagen immer die Wahrheit.
2. Wir sagen immer, wann wir zurück sind.
3. Stopp heißt Stopp, auch per Nachricht.

Bei Punkt sieben stockte Olaf jeden Morgen beim Kaffee. Wir reden am Tag danach darüber, nicht davor und nicht währenddessen. Er las ihn jedes Mal, als sei er in einer fremden Sprache geschrieben.

„Du schaust schon wieder auf die Liste", sagte Sabine hinter ihm. Sie war vierundvierzig, Hebamme, mit einer Stimme, die Ängste einfach wegglättete. „Das Ding beißt nicht."

„Ich überlege nur, ob Punkt sieben sich nicht verbessern ließe."

„Du willst vorher alles wissen."

„Ich will vorher etwas wissen. Den Namen. Die Farbe seiner Schuhe."

„Du willst vorher Kontrolle." Sie küsste ihn auf den Scheitel. „Das ist keine Schande. Aber heute Abend gibst du sie mir. Einfach für ein paar Stunden. Kannst du das?"

Er seufzte. „Mit Kaffee kann ich alles."


Um sieben stand sie im grünen Kleid im Flur, und er sah, dass sie nervös war. Das half ihm mehr, als er gedacht hätte. Sie war nicht die Frau, die ihre Wünsche wie einen Einkaufszettel abarbeitete. Sie war seine Sabine, die vor dem Spiegel dreimal die Ohrringe gewechselt hatte.

„Wo ist der Zettel?", fragte sie.

„An der Tür, wo er hingehört."

„Dann lies Punkt zwei."

„Du sagst mir, wann du zurück bist."

„Ich sage: elf. Halb zwölf, wenn der Zug Verspätung hat." Sie nahm seine Hände. „Und Punkt vier?"

„Ich darf anrufen, wenn ich es nicht aushalte, und du gehst ran." Er lächelte schief. „Das war meine Idee. Sie war besser, als ich dachte."

„Sie war sehr gut." Sie zog ihn an sich, roch an seinem Hals. „Du riechst nach Sicherheit. Ich nehme etwas davon mit."

Er sah ihr nach, wie sie die Treppe hinunterging, und hörte noch die Haustür. Dann stand er im Flur und tat, was er sich vorgenommen hatte: Er atmete. Er schaltete den Fernseher nicht ein. Er schrieb eine Liste, auf die Rückseite einer Rechnung, Dinge, die ich heute Abend tun darf: Gitarre spielen. Die Küche ausmessen, für das Regal, das er ihr seit einem Jahr versprach. Ihr Lieblingsgericht vorkochen, damit es warm war, wenn sie nach Hause kam.

Er rief nicht an. Um neun kam eine Nachricht: Ich denke an dich. Mir geht es ausgezeichnet. Gitarre? Er schrieb zurück: Vorsicht, ich übe jetzt dein Lieblingslied. Sie schickte ein Lachen, drei Ausrufezeichen und ein Herz.


Sie kam um zehn nach elf. Es roch nach Rosmarin und Kartoffeln, und Olaf stand mit Schürze in der Küche, ein bisschen rot im Gesicht, die Gitarre auf dem Stuhl.

„Du hast gekocht."

„Ich habe gewartet, auf eine Weise, die mir gefällt." Er stellte zwei Teller auf den Tisch. „Und ich habe mich an Punkt sieben gehalten. Nicht davor, nicht währenddessen."

„Und danach?"

„Danach ist jetzt." Er setzte sich ihr gegenüber. „Aber nicht heute. Morgen. Heute möchte ich nur, dass du isst und mir erzählst, wie das Kleid sich angefühlt hat."

Sie sah ihn lange an. Dann stand sie auf, ging zum Kühlschrank, nahm den Bleistift vom Magnetstreifen und setzte neben Punkt sieben ein kleines Sternchen. Darunter schrieb sie: Ausnahme erlaubt: Essen zuerst.

„Das nenne ich Verhandlungsgeschick", sagte er.

„Ich nenne es Liebe mit Kartoffeln." Sie setzte sich. „Und jetzt reich mir das Salz."

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MS
Mira Sommer

Erzählt von Vertrauen, Geduld und dem Moment, in dem aus Neugier Hingabe wird. Warm, genau und mit Sinn für Details.

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