Das Halsband wird verhandelt
„Silber oder Leder?“, fragte der Goldschmied und breitete Zeichnungen auf dem Werktisch aus. Er hieß Cornelius, war sechzig und hatte, wie er sagte, in seinem Leben schon Eheringe, Taufketten und einmal ein Gebiss in Gold gefertigt. Ein Halsband war neu.
„Das fragen wir uns seit drei Wochen“, sagte Ansgar.
„Das fragen wir uns seit drei Jahren“, sagte Frieda.
Sie standen nebeneinander an der Werkbank, er einundfünfzig, Architekt, mit ruhigen Händen, sie neununddreißig, Kapitänin einer kleinen Fähre auf dem Wannsee, mit dem windgegerbten Gesicht von jemandem, der nie lange stillsteht. Außer für ihn. Das war der Kern der Sache.
„Also.“ Cornelius setzte die Brille auf. „Was soll es bedeuten?“
„Dass sie mir gehört“, sagte Ansgar.
„Dass ich mich ihm überlasse“, sagte Frieda.
„Das ist nicht dasselbe“, sagte der Goldschmied.
„Nein“, sagte Frieda und lächelte. „Deshalb sind wir hier.“
Es dauerte Stunden. Sie diskutierten über Schmalheit und Breite, über die Frage, ob man es im Alltag unter einem Kragen tragen könne oder ob es sichtbar sein müsse. Frieda wollte etwas, das auch im Maschinenraum der Fähre nicht störte. Ansgar wollte etwas, das man spürte, wenn man es nicht sah. Cornelius schrieb alles auf, murmelte „Interessant“ und „Das hatte ich noch nie“ und bot zwischendurch Tee an.
„Der Verschluss“, sagte Frieda, „soll sich nur mit Schlüssel öffnen lassen.“
„Und den Schlüssel“, sagte Ansgar, „trage ich.“
„Nein. Den trägst du nicht. Den bewahrt ihr beide.“ Cornelius legte den Stift hin. „Ich werde zwei fertigen. Einen für Sie, Herr Architekt. Und einen in einem Umschlag, versiegelt, den Ihre Kapitänin an einem Ort aufbewahrt, den nur sie kennt. Für den Fall der Fälle.“
Frieda sah ihn an. „Warum?“
„Weil Vertrauen ein Notausgang braucht, sonst ist es nur ein Zimmer.“ Er zuckte die Schultern. „Ich bin Goldschmied. Wir verstehen ein wenig von Verschlüssen.“
Stille. Dann hörte Ansgar sich lachen, ein kurzes überraschtes Lachen. „Das ist die klügste Sache, die jemand dazu gesagt hat.“
Zwei Wochen später stand Frieda wieder in der Goldschmiede, allein. Cornelius legte das Halsband in ihre Handfläche. Es war schmal, aus mattem Silber, mit einer Gravur an der Innenseite, so klein, dass man sie nur spürte, wenn man die Fingerspitze darüberfahren ließ.
„Ich habe nicht gefragt, was draufstehen soll“, sagte er. „Aber die Zeichnung Ihres Herrn lag im Umschlag.“
Sie las es mit dem Daumen. Zwei Worte. Freiwillig. Täglich.
Ihr Hals wurde heiß. „Das ist —“
„Ein Vertragstext, ich weiß. Ich fand ihn kurz.“ Cornelius schloss ihre Finger um das Silber. „Gehen Sie. Er wartet schon draußen. Er tut so, als sähe er sich die Schaufenster an, aber er hat die Auslage mit den Uhren nun schon zum dritten Mal begutachtet.“
Ansgar stand tatsächlich auf dem Bürgersteig, die Hände in den Manteltaschen, und tat, als sei ihm das Wetter wichtig. Frieda trat neben ihn. Ohne ein Wort hielt sie ihm das Halsband hin, hob das Kinn und schloss die Augen.
Er legte es ihr an, mitten auf der Straße, zwischen Passanten, die nichts bemerkten. Der Verschluss schnappte leise ein. Er drehte den Schlüssel, steckte ihn in die Innentasche und legte ihr die Hand an die Wange.
„Und?“, fragte er.
„Es ist schwerer, als es aussieht“, sagte sie. „Und es fühlt sich an wie angekommen.“
„Dann gehen wir nach Hause.“
„Aye, aye“, sagte die Kapitänin.